Der KI-Entwickler Anthropic strebt laut Presseberichten bei seinem Börsengang eine Bewertung von über 2 Billionen US-Dollar an. Dem steht für 2025 ein Jahresumsatz von rund 4,6 Milliarden US-Dollar gegenüber. Wie lässt sich eine solche Bewertung begründen?
Die Zahlen im Überblick
- Umsatz 2025: ca. 4,6 Milliarden US-Dollar
- Operativer Verlust 2025: ca. 8 Milliarden US-Dollar
- Angestrebte IPO-Bewertung: über 2 Billionen US-Dollar
- Prognostizierter Umsatz 2028 (laut Reuters): rund 200 Milliarden US-Dollar
Rein rechnerisch entspricht die angestrebte Bewertung damit mehr als dem 400-Fachen des Umsatzes 2025 und immer noch dem 10-Fachen des für 2028 prognostizierten Umsatzes. Ein Gewinn, auf den sich die Bewertung stützen könnte, ist bislang nicht vorhanden: Die Ausgaben übersteigen die Erlöse derzeit deutlich.
Wonach sich der Wert eines Unternehmens bemisst
Als Steuerberater beschäftigen wir uns auch mit Unternehmensbewertungen. Die grundlegenden Kriterien sind dabei immer dieselben:
- die nachhaltig erzielbaren Erträge und Cashflows,
- die Vermögens- und Schuldenlage,
- die Marktposition, die Wachstumsaussichten und die Risiken des Unternehmens.
Eine fundierte Bewertung beruht auf belastbaren Informationen und nachvollziehbaren Annahmen.
Wie verlässlich ist die Wachstumsprognose?
Für 2028 wird laut Reuters ein Jahresumsatz von rund 200 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Wie verlässlich diese Prognose ist und welche nachhaltigen Erträge daraus tatsächlich entstehen können, darf man kritisch hinterfragen. Denn Umsatz allein trägt noch keinen Unternehmenswert: Entscheidend ist, was nach Abzug der Kosten und Investitionen dauerhaft übrig bleibt.
Das Beispiel zeigt, wie stark eine Bewertung von künftigem Wachstum abhängen kann. Ausschlaggebend ist, ob Wachstum, Margen und Kapitalbedarf plausibel eingeschätzt und die Risiken angemessen berücksichtigt werden.
Preis ist nicht gleich Wert
Ein angestrebter IPO-Preis ist deshalb nicht automatisch mit einem fundiert ermittelten Unternehmenswert gleichzusetzen. Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage am Kapitalmarkt; der Wert aus den künftigen Erträgen, die das Unternehmen realistischerweise erwirtschaften kann.
Gerade im KI-Boom lohnt sich deshalb die Frage: Wie viel der Bewertung tragen nachvollziehbare Annahmen, und wie viel trägt die Marktstimmung?
Hinweis: Die genannten Zahlen zu Umsatz, operativem Verlust, angestrebter Bewertung und Umsatzprognose beruhen auf Presseberichten (u. a. Reuters) und wurden von uns nicht eigenständig geprüft.