Im Zuge einer großen Steuerreform wird in Brasilien ein Cashback-System eingeführt: Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen erhalten einen Teil der beim Konsum gezahlten Mehrwertsteuer direkt zurück.
Warum ist dieser Ansatz interessant?
In der steuerpolitischen Diskussion sprechen wir sehr häufig über die persönliche Einkommensteuer und deren Progressivität. Dabei wird leicht vergessen, welche Bedeutung die Mehrwertsteuer für private Haushalte hat.
Zur Einordnung für Italien – rein rechnerisch auf die Bevölkerung umgelegt:
- Einkommensteuer – IRPEF: ca. 3.500–4.000 € pro Kopf und Jahr
- Mehrwertsteuer – IVA: ca. 3.400 € pro Kopf und Jahr
Natürlich ist die tatsächliche Belastung sehr unterschiedlich verteilt. Der Vergleich zeigt aber: Auch die Mehrwertsteuer ist ein wesentlicher Bestandteil der steuerlichen Belastung der Haushalte.
Gerade für Haushalte mit niedrigen Einkommen kann sie relativ stark ins Gewicht fallen, weil ein größerer Teil des verfügbaren Einkommens für den laufenden Konsum verwendet wird.
Brasilien versucht genau hier anzusetzen: Statt ausschließlich bestimmte Produkte mit niedrigeren Steuersätzen zu begünstigen, wird ein Teil der gezahlten Steuer gezielt an einkommensschwache Haushalte zurückerstattet.
Der Mechanismus hat noch einen zweiten interessanten Effekt: Wer den Cashback erhalten möchte, hat einen zusätzlichen Anreiz, ordnungsgemäße elektronische Belege zu verlangen. Das kann die Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung im Einzelhandel reduzieren und gleichzeitig die Nachverfolgbarkeit der Umsätze erhöhen.
Ein spannender Ansatz für die Diskussion über Steuergerechtigkeit: Nicht nur darauf schauen, wie progressiv die Einkommensteuer ist – sondern auch darauf, wie der Konsum besteuert wird, wer diese Belastung trägt und wie sich steuerliche Anreize auf die Steuerehrlichkeit auswirken.